Eva-Maria Neumann (1926-2004)

Das schmale, hohe Haus am Seeblick sieht nicht mehr ganz so aus wie früher: Frieder Neumann und seine Frau Petra haben den alten, reetgedeckten Bau durch einen schmucken Neubau ersetzt, der freilich noch die Grundform des Hauses ahnen lässt, in dem bis zum Jahre 2004 Frieders Mutter Eva-Maria Neumann lebte. Als sie 78jährig starb, ließ sie ein Leben hinter sich, das sich trotz vieler anderer Tätigkeiten immer um die Kunst gedreht hatte – und in dem sie sich an vielen ganz gegensätzlichen Kunstformen erfolgreich versucht hatte.

1926 wurde Eva-Maria Neumann unter ihrem Geburtsnamen Tammer in Dresden geboren, ein hochmusikalisches Kind, dessen musikalischen Berufspläne durch Kriegs- und Nachkriegswirren verloren gingen. 1947 heiratete sie ihren Mann, der sich als Tierarzt in Rathenow niederließ. 1948 und 1957 kamen die beiden Söhne zur Welt; an eine musikalische Karriere war nicht mehr zu denken.

Doch längst hatte Eva-Maria mit dem Zeichnen begonnen; kindlich-naiv wirkende „Trostbildchen“ zunächst, die sie in der letzten Kriegszeit an die Nachbarkinder verteilte; dann erste Kinderbücher, „Kleine Heimlichkeiten zur Weihnachtszeit“ (1945/46), „Regentröpfchens Weltreise“ (1946/47, beide unveröffentlicht), zauberhaft versponnene Geschichten als Gegengift gegen die Unlebbarkeiten der Gegenwart.

Nach dem Tod ihres Mannes 1976 widmete sie sich wieder mehr der Kunst, machte in Potsdam die Prüfung in künstlerischer Textilgestaltung bei Ingeborg Bohne-Fiegert, lernte Industrielle Formgestaltung bei Walter Funkat auf Burg Giebichenstein, schuf Keramik, malte, klebte Collagen, schrieb Gedichte. Bald trug der Schaffensdrang erste Früchte; Eva-Maria Neumann wurde Mitgründerin des Rathenower Kunstvereins, lernte Modellieren beim Rathenower Künstler Karl Mertens. Gemeinschaftsausstellungen folgten; 1990 war sie mit 90 Arbeiten auf der Leipziger Buchmesse vertreten.

Rastloser Schaffensdrang und politische und poetische Anteilnahme am Ringsum verbinden sich im ungeheuer vielseitigen Werk von Eva-Maria Neumann zu einem Kaleidoskop, das weit über ihren Tod hinaus Geltung hat und auch neu gebauten Haus am Seeblick bewahrt und bewundert wird.

Einen ersten Einblick in ihre Arbeit zeigen folgende Abbildungen (Klicken für Großabbildung!). Für das Frühjahr 2011 ist eine Ausstellung der Werke geplant; weitere Infos folgen!

One comment on “Eva-Maria Neumann (1926-2004)
  1. Michael Th. Omilian sagt:

    Eine faszinierende Frau. Es wird viel zu leise über ihre künstlerischen Exkursionen gesprochen. Das sollte sich ändern lassen. Unveröffentlichtes Material…? Der Markt ist offen … und hungrig auf Besonderes. Michael Th. Omilian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*