Kultur

Kultur ist, wenn man’s trotzdem macht... mag hier draußen auf dem flachen Land mitunter die Devise sein. Von der Galerie-Dichte der Großstadt können die dörflichen Künstler nur träumen, für Kunstkauf bleibt in den Gemeindetöpfen oft nicht viel übrig, und ob das breite Volk etwas abstraktere Ansätze wirklich goutieren will, ist mitunter auch fraglich. So findet Kunst oft im stillen Kämmerlein statt, und manches Lebenswerk verstaubt nach dem Ableben seines Schöpfers oder seiner Schöpferin ungewürdigt auf dem Dachboden. Das muss nicht sein, findet semlin.de – und will auf dieser Seite Platz machen für alle, die sich in Semlin dem Kulturschaffen gewidmet haben oder noch widmen. Gleich den Auftakt bildete mit Eva-Maria Neumann eine verstorbene Künstlerin aus Semlin; aber auch alle lebenden Kreativkräfte sind aufgerufen, sich bei uns zu melden, um noch zu Lebzeiten zu zeigen, was in den Semliner Ateliers und Malstuben so abgeht. Helmut Neitzel ist schon der zweite im Bunde!

Eva-Maria Neumann (1926-2004)

Das schmale, hohe Haus am Seeblick sieht nicht mehr ganz so aus wie früher: Frieder Neumann und seine Frau Petra haben den alten, reetgedeckten Bau durch einen schmucken Neubau ersetzt, der freilich noch die Grundform des Hauses ahnen lässt, in dem bis zum Jahre 2004 Frieders Mutter Eva-Maria Neumann lebte. Als sie 78jährig starb, ließ sie ein Leben hinter sich, das sich trotz vieler anderer Tätigkeiten immer um die Kunst gedreht hatte – und in dem sie sich an vielen ganz gegensätzlichen Kunstformen erfolgreich versucht hatte.

1926 wurde Eva-Maria Neumann unter ihrem Geburtsnamen Tammer in Dresden geboren, ein hochmusikalisches Kind, dessen musikalischen Berufspläne durch Kriegs- und Nachkriegswirren verloren gingen. 1947 heiratete sie ihren Mann, der sich als Tierarzt in Rathenow niederließ. 1948 und 1957 kamen die beiden Söhne zur Welt; an eine musikalische Karriere war nicht mehr zu denken.

Doch längst hatte Eva-Maria mit dem Zeichnen begonnen; kindlich-naiv wirkende „Trostbildchen“ zunächst, die sie in der letzten Kriegszeit an die Nachbarkinder verteilte; dann erste Kinderbücher, „Kleine Heimlichkeiten zur Weihnachtszeit“ (1945/46), „Regentröpfchens Weltreise“ (1946/47, beide unveröffentlicht), zauberhaft versponnene Geschichten als Gegengift gegen die Unlebbarkeiten der Gegenwart.

Nach dem Tod ihres Mannes 1976 widmete sie sich wieder mehr der Kunst, machte in Potsdam die Prüfung in künstlerischer Textilgestaltung bei Ingeborg Bohne-Fiegert, lernte Industrielle Formgestaltung bei Walter Funkat auf Burg Giebichenstein, schuf Keramik, malte, klebte Collagen, schrieb Gedichte. Bald trug der Schaffensdrang erste Früchte; Eva-Maria Neumann wurde Mitgründerin des Rathenower Kunstvereins, lernte Modellieren beim Rathenower Künstler Karl Mertens. Gemeinschaftsausstellungen folgten; 1990 war sie mit 90 Arbeiten auf der Leipziger Buchmesse vertreten.

Rastloser Schaffensdrang und politische und poetische Anteilnahme am Ringsum verbinden sich im ungeheuer vielseitigen Werk von Eva-Maria Neumann zu einem Kaleidoskop, das weit über ihren Tod hinaus Geltung hat und auch neu gebauten Haus am Seeblick bewahrt und bewundert wird.

Einen ersten Einblick in ihre Arbeit zeigen folgende Abbildungen (Klicken für Großabbildung!). Für das Frühjahr 2011 ist eine Ausstellung der Werke geplant; weitere Infos folgen! (mehr …)

Helmut Neitzel (*1949 †2017)

Wenn man Helmut Neitzel in Semlin trifft – beim Malen in der freien Landschaft oder sonnengebräunt nach seiner Fahrrad-Teilnahme beim sommerlichen Drei-Seen-Lauf – , dann wird schnell klar, dass das alte Klischee vom Maler als Stubenhocker auf niemanden weniger zutrifft als auf ihn. Der Mann wirkt fit, und auch seine Malerei ist nicht zimperlich und zögerlich, sondern geht in offensiven Farben zur Sache. Die havelländische Landschaft in dramatischem Licht, häusliche Szenen in heiterer, harmonischer Komposition, die Semliner Dorfkirche mit zwinkernden Kinderaugen betrachtet: Neitzel spitzt zu, idealisiert, bringt auf den Punkt. Jedes seiner Bilder: ein Kraftpaket!
Über seine Motivation und Lehrmeister schreibt Helmut Neitzel in seiner Vita:
„Meine Lebensorte waren bisher immer bei den zwei W´s, Wasser und Wald. 1949 wurde ich in Genzien bei Arendsee in der Altmark geboren und wuchs auf in ländlicher Idylle. Malen und Zeichnen lag mir schon als Kind, aber die richtige Tiefe dazu bekam ich erst in Rathenow. Die Bastelei mit optischen Geräten führte mich in die Stadt der Brillen und Mikroskope, dort wurde ich Feinmechaniker und kam über Umwege Ende 1970 schließlich wieder zurück. Der Umweg führte mich auch zwischendurch mehrere Jahre nach Wittenberge an der Elbe zu Nähmaschinen und Maschinenbaustudium.

In Rathenow hatte ich 1968 den ersten Kontakt mit einem richtigen Künstler, Heinz Behling,und entdeckte schließlich Anfang der 80er Jahre meine Vorliebe zur Ölmalerei. Über viele Jahre leitete Gerhard Henschel neben seiner Arbeit als frei schaffender Maler die Arbeitsgemeinschaft „Bildnerisches Gestalten“, von ihm habe ich am meisten gelernt.“

Helmut Neitzel ist Mitglied im Rathenower Künstlerkreis.

Das Offene Atelier des Rathenower Künstlerkreises ist am Schleusenplatz 4 neben der Stadtbibliothek.

Einen Einblick in seine Arbeit zeigen folgende Abbildungen (Klicken für Großabbildung!) (mehr …)