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Semlins Glocken läuten – zum Abschied für Frieder

Ein kleines, altes Dorf kann ein gottverlassenes Nest sein – oder der liebenswerteste Ort der Welt. Den Unterschied machen nicht die schöne Natur oder die Putzigkeit der Häuser – den Unterschied machen die Menschen. Wie sie miteinander umgehen, was sie aus dem Gegebenen machen – das ist entscheidend.

Frieder Neumann (1958 – 2017) hat wie kein anderer dazu beigetragen, aus Semlin einen liebenswerten Ort zu machen. Im Dorf unterwegs zu sein, an jedem Haus für einen kurzen Plausch und ein paar freundliche Worte halt zu machen: Das war eine Beschäftigung, die Frieder – den niemand bei seinem tatsächlichen Vornamen Hans-Jürgen nannte – überaus schätzte und mit der er die Dorfgemeinschaft stetig zusammen- und unterhielt.

Frieder war Semlin wichtiger als alles andere. Denn er hatte Ideen und Energie, die er ausdauernd und uneigennützig für dieses Dorf einsetzte. Nicht nur als politisch denkender Mensch, der er auch war und der die Kommunalpolitik interessiert und engagiert verfolgte, ohne sich je in die vordere Reihe der Akteure zu drängen.

Stattdessen hatte die Kultur es ihm angetan. Als Sohn einer Künstlerin waren ihm die künstlerischen Ausdrucksformen geläufig; als Genussmensch konnte er sich für eine schöne Stimme, einen mitreissenden Rhythmus begeistern. Die kleine Semliner Dorfkirche ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder der Ort musikalischer Begegnungen gewesen, und die Mehrzahl dieser denkwürdigen Konzerte und Auftritte hat Frieder Neumann initiiert, vorbereitet und durchgeführt. Das auf die Beine zu stellen, diese Arbeit als Impressario und Kulturarbeiter – das war eine Berufung, die Frieder Neumann zeitlebens immer wieder suchte und fand.

Frieder fand in Petra erst spät die große Liebe seines Lebens, aber er fand sie – für viele schöne und das letzte sehr schwere Jahr, in dem Petra, selbst schicksalsgeprüft, nicht von seiner Seite wich, bis die lange durchlittene Krebserkrankung Frieders Leben im Rathenower Krankenhaus ein zuletzt doch sehr schnelles Ende setzte.

Heute vormittag läuteten in Semlin die Glocken, – Frieder Neumanns letztes Konzert. Sie läuten für einen Mann, dem dieses Dorf viel verdankt und den Semlin nicht vergessen wird, wann immer in unserer Kirche Menschen für ein Konzert zusammenkommen.

(Martin Keune 16.2.2017 · Foto: Frieder beim Sommerfest in Semlin 2015)

Lilienthal in Stölln

Am 9. August 1896 stürzte der Flugpionier Otto Lilienthal am Gollenberg in Stölln in die Tiefe und starb ein paar Tage darauf im Dorfgasthaus. Wer in Semlin Urlaub macht, kann sich gar nicht vorstellen, dass es ganz in der Nähe (etwa 20 km nördlich) einen Berg geben soll, der hoch genug ist, um sich den Hals zu brechen: Aber doch, der Aufstieg vom Parkplatz über Waldpfade hoch zu Ernst Baumeisters Lilienthal-Skulptur (2007) ist steil und lohnt sich, denn von oben kann man, Überraschung, prima runtersehen. Auch die 1989 auf der Wiese gelandete Iljuschin IL 62, heute das Standesamt des Ortes, in dem sommers auch ein spannender Film über die Landung gezeigt wird, lohnt das Ansehen.

Unsere Bilder stammen von einem Silvesterspaziergang 2016.

1. Semliner Weihnachtswunder

Freunde, das war wunderbar! Ein klarer, kalter Wintertag, viel Selbstgemachtes, prima Stimmung: Ein Fest der Weihnachtsfreude fürs ganze Dorf!

Semlin lädt ein zum 1. „Weihnachtswunder“!

semlin-weihnahhtswunder_02Schon eine Woche vor Semlins erstem Weihnachtsmarkt ging es heute auf dem Dorfplatz vor der Kirche weihnachtlich zu. Die Semliner Frauen, die im Frühjahr die Idee eines Dorf-Weihnachtsmarktes in den Ortsbeirat getragen hatten, schmückten vor glänzenden Kinderaugen den prächtigen Baum – und haben auch sonst für kommenden Samstag alles im Griff: Die Dorfstraße hinunter werden zehn Stände Kuchen vom Bleche, Bratwurst, selbstgemachte Marmelade und allerhand Weihnachtliches anbieten. In der Festscheune bauen die Künstler – Fred Machan, das Offene Atelier Rathenow und einige andere – zusammen mit dem Zeichner und Geschichtensammler Eugen Gliege ihre Werke auf. Und auf dem Dorfplatz selbst gibt’s Ponyreiten unterm Weihnachtsbaum! – Das erste Semliner Weihnachtswunder ist sicher weder der größte noch der professionellste Weihnachtsmarkt der Region. Aber er ist handgemacht von Semliner/innen für Semliner/innen: Und ein vielversprechender Start in eine neue Tradition!

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Löwe entlaufen in Semlin!

„Löwe entlaufen“ behauptet ein Plakat, das heute im Dorf aufgetaucht ist. Klingt gefährlich, ist aber „nur Kultur“ – Martin Keunes 25. Semliner Heft ist eine Zirkusgeschichte. Einem kleinen Wanderzirkus, der in Semlin gastiert, büxt darin ein ausgewachsener Löwe aus und macht das Dorf unsicher. Wer wird gefressen? Oder gibt’s ein Happy-End? – das kann man am Freitag im Jahngymnasium Rathenow erfahren, wo der Autor am 18.11. um 19 Uhr bei freiem Eintritt das Büchlein (als Auftakt des abendlichen Programms von Rathenows Lesetag) komplett vorliest. Und weil (wie schon bei der „Semliner Seifenmaus“) Kristina Heldmann erneut tolle Bilder fürs Buch gemalt hat, werden die auch gezeigt und bebildern die turbulente kleine Lesung.